Jugendzentrum Steinkirchen vor der Schließung
Gemeinsame Stellungnahme von Kreisjugendring Stade und Jugendkonferenz Lühe
Gemeinsam mit der Jugendkonferenz Lühe hat der Kreisjugendring Stade eine Stellungnahme an die Verwaltung und Politik der Samtgemeinde Lühe verfasst, welche wichtige Aspekte bei der Suche nach einem neuen Standort für das Jugendzentrum Steinkirchen fachlich positioniert und einordnet. Dabei geht es um mögliche Gefahren und fachliche Standards. Die Stellungnahme lautet:
"Als Jugendkonferenz der Samtgemeinde Lühe in ihrer Funktion als Netzwerk und Interessenvertretung der Jugendarbeit sowie der Kinder und Jugendlichen in der Samtgemeinde Lühe, möchten wir mit dieser Stellungnahme den Prozess zur Findung eines neuen Standortes des Jugendzentrums Steinkirchen unterstützen und gemeinsam mit dem Kreisjugendring Stade e.V. auf wichtige fachliche Aspekte hinweisen. Dabei gilt unser Dank allen Beteiligten in Politik und Verwaltung für die aktive Suche nach Lösungen und Möglichkeiten. Für Rückfragen und Beratungsanfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.
Situation: Ein erheblicher Sanierungsstau macht die Weiternutzung des Jugendzentrums im Ortskern unmöglich. Eine Einigung mit dem Vermieter war nicht möglich. Insofern sucht die Samtgemeinde Lühe nach Alternativen. Da es derzeit keine Bestandsgebäude gibt, die baulich in Frage zu kommen scheinen, steht laut Pressebericht eine Containerlösung im Raum, die am Schulzentrum Steinkirchen angesiedelt werden könnte.
Wir möchten auf folgende Aspekte hinweisen:
- Standort: Kinder und Jugendliche brauchen Räume in der Mitte der Gesellschaft! Sie gehören nicht an den Rand. Ein Jugendzentrum sollte dem in der Standortfrage Rechnung tragen. Der von jungen Menschen empfundenen und faktisch auch vorhandenen Verdrängungsproblematik und der damit einhergehenden sozialen Unerwünschtheit Jugendlicher im öffentlichen Raum kann damit entgegengewirkt werden. Gleichzeitig ist ein schulnaher Standort für die sozialräumliche Verzahnung von Angeboten und die Erreichbarkeiten sinnvoll.
- Ganztag und Jugendarbeit: Wichtig zu betonen ist, dass Jugendarbeit nicht den schulischen Ganztag oder die Ferienbetreuung retten kann und soll. Jugendarbeit bietet außerschulische Räume für Kinder und Jugendliche und darf nicht vom Ganztagsschulsystem vereinnahmt werden. Dass bedeutet nicht, dass es nicht punktuell eine Zusammenarbeit geben kann und eine Vernetzung und Koordination der jeweiligen Angebote ist ebenfalls wünschenswert. Jugendarbeit und ihre Werte müssen aber eigenständig und unabhängig erhalten bleiben und nachhaltig gesichert werden. Wir sehen die Gefahr, dass mit einem Standort auf dem Schulgelände langfristig die Jugendarbeit durch den schulischen Ganztag vereinnahmt wird. Dies gilt es gemeinsam zu verhindern. Wir fordern ein klares Bekenntnis über Fraktionsgrenzen hinweg von allen beteiligten Akteuren in Politik und Verwaltung zur unabhängigen Sicherung der Jugendarbeit in der Samtgemeinde Lühe.
- Containerlösung: Als Übergangslösung ist eine geeignete Container-Anlage ein guter Kompromiss, wenn Aspekte wie Größe, Ausstattung, Belüftung, Akustik, Technik, etc. beachtet und für den Nutzungszweck adäquat umgesetzt werden. Dabei muss sowohl auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen als auch der Kolleginnen und Kollegen Rücksicht genommen werden. Gleichzeitig darf eine Containerlösung niemals ein Dauerzustand sein bzw. werden. Die Suche nach einem geeigneten Standort und einer dauerhaften Lösung per Um- oder Neubau ist weiterhin anzustreben. Wir sehen die Gefahr, dass mit einer einmal geschaffenen Containerlösung die Umsetzung eines neuen Jugendzentrums nicht mehr im Fokus steht und die Container somit zum Dauer-Provisorium werden. Dies gilt es gemeinsam zu verhindern.
- Ehrenamt: Häufig vergessen wird die Bedeutung der Jugendpflege für die Ehrenamtlichen in der Kinder- und Jugendarbeit der Vereine und Verbände. Für den beratenden und unterstützenden Auftrag der Jugendpflege ist eine zentrale Erreichbarkeit und Ausstattung unerlässlich. Auch als Standort für Ferienspaßangebote, die häufig mit Vereinen und Ehrenamtlichen gemeinsam stattfinden, braucht es ein zentrales Jugendzentrum. Zuletzt sei das Jugendzentrum als Raum für Jugendangebote von Vereinen und Gruppen ohne Vereinsräume zu nennen. Damit spielt das Jugendzentrum neben seiner Bedeutung als Standort der offenen Kinder- und Jugendarbeit auch eine wesentliche Rolle für andere Angebote und Akteure der Jugendarbeit im Sozialraum. Dies gilt es bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.
- Jugendkonferenz: Die Jugendkonferenz als wesentliches Vernetzungs-Gremium der Jugendarbeit in der Samtgemeinde braucht neben Räumen für die Sitzungen und potenzielle eigene Aktionen und Events auch Platz für den Materialpool, der Vereinen und Verbänden für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt wird. Auch dies gilt es bei der Suche nach Lösungen mit einzuplanen und zu bedenken.
Als Jugendkonferenz Lühe sehen wir gemeinsam mit dem Kreisjugendring Stade die Schwierigkeiten bei der Raumsuche und auch die Bemühungen von Politik und Verwaltung. Für uns steht aber auch fest, dass Entscheidungen nicht zulasten der Kinder und Jugendlichen oder der Vereine und Jugendgruppen getroffen werden dürfen. Wir bieten gerne unsere Expertise und Beratung an und hoffen langfristig auf eine gute und angemessene Lösung für einen Standort der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendpflege in Steinkirchen und damit der Samtgemeinde Lühe."
